Reiseberichte
Jürgens Alaska Tripp 2009
Endlich ist es soweit. Start ab Zürich um 7.00 nach Frankfurt. Dort muss wieder eingecheckt werden, um mit Condor direkt nach Anchorage zu fliegen. Wie immer klappt es nicht mit der Übermittlung der Personendaten aus Zürich. Alle Angaben aus dem Pass müssen am Schalter manuell übertragen werden. Ja, die Bestimmungen sind umfangreich, um nach Amerika einreisen zu dürfen. Da viele Schweizer ebenfalls zum Lachsfischen in Alaska diesen Flug gebucht haben, bilden sich lange Schlagen am Schalter. Diesmal waren wir rechtzeitig da, unsere Wartezeit betrug lediglich 30 Minuten, andere standen mehr als 2 Stunden in der Warteschlage. Trotzdem nahezu pünktlicher Abflug der 767. Ruhiger 10 stündiger Flug mit beeindruckender Aussicht auf das eisbedeckte Grönland, Gletscher, so weit das Auge reicht.
Landung gegen 13.00 Uhr Ortszeit in Anchorage. Dann die üblichen Grenzformalitäten in den USA, Abnahme von Fingerabrücken, Foto, Fragen nach wohin, woher und warum, Gepäckkontrollen.
Aber auch hier ging es schneller als auch schon, nach ca. einer Stunde stehen wir mit unserem Gepäck vor dem Flughafen. Das Wetter ist bewölkt, Temperatur gegen 14 Grad. Mit dem Taxi geht es zur Mietstation, um den gebuchten Camper zu übernehmen.
Auch hier läuft alles wie am Schnürchen, der Wagen ist bereit, die Formalitäten schnell erledigt, kurz noch ein Check und dann stellen wir fest, dass die Heizung nicht funktioniert. Aber ein Monteur kümmert sich sofort darum, nach ca. 30 Minuten ist auch das Problem behoben und wir starten, natürlich zunächst zum Einkaufen. Da wir in den nächsten Tagen in der Wildnis beim Lachsangeln verbringen wollen, muss natürlich an alles gedacht werden. Grössere Biervorräte werden angelegt, riesige (günstige) Rindssteaks gekauft und eben alle Lebensmittel, die man für die Selbstverpflegung so braucht. Dann geht es los Richtung Kenai auf dem Sterling Highway, Ziel ist der Russian River, dem wohl besten Lachsfluss für Sokey (Rotlachs). Diese steigen ca. Mitte Juni aus dem Meer den Kenai und seinen Nebenflüssen auf, um an ihre Laichplätze zu gelangen. In diesem Jahr ist der Aufstieg aussergewöhnlich, die Fische sind im Durchschnitt grösser als in Normaljahren und die Zahl ist aussergewöhnlich hoch. So darf jeder Fischer pro Tag bis zu 6 Rotlachse fangen (Gewicht pro Lachs zwischen3 – 5 kg.). Im Vergleich vor 2 Jahren gelingt der Fang relativ leicht, in 3 – 5 Stunden hat man das Limit erreicht
Es ist also nicht notwendig, bereits Morgens um 6.00 Uhr an der Fähre anzustehen, um an das gegenüberliegende Ufer gebracht zu werden. Es reicht in diesen Tagen, gegen Mittag aufzubrechen und mit Vollpackung im Laufe des späten Nachmittags mit den bereits filetierten Fischen wieder zum Camper zurückzukehren.
Was macht man nun mit den vielen Fischen? Nun, man bringt sie zu einer Annahmestelle einer Räucherei, die die Weiterverarbeitung übernimmt und bei Abreise in Anchorage versandfertig abgeholt und bezahlt werden. In diesem Jahr dürfen 20 kg pro Person ohne weitere Formalitäten in die Schweiz eingeführt werden (am Zoll werden pro kg allerdings 1,-- CHF Mehrwertsteuer fällig). Mehrmengen werden durch einen konzessionierten Importeur eingeführt, der alle Grenzformalitäten erledigt. Dies ist allerdings nicht billig, 150,-- CHF pro 30 kg Box werden fällig.
Unser Ziel, am Ende unserer Reise ca. 40 – 60 kg geräucherten Lachs mitzubringen, war schon nach 17 Tagen erreicht bzw. schon deutlich übertroffen. So haben wir uns entschlossen, die Fischerei auf Lachs einzustellen und eine (für Alaska kleine) Rundreise zu unternehmen, um mehr vom Land kennen zu lernen.
Das erste Ziel war Seward, benannt nach dem amerikanische Aussenminister, der 1864 Alaska für 7,4 Mio. $ Russland abgekauft hat. Seward ist Hafenstadt und Ausgangspunkt von Bootsausflügen. Bekannt ist es vor allem durch die Heilbuttfischerei. Hier werden Wettbewerbe ausgetragen, wer den grössten Heilbutt fängt. Dies können mehr als 200 kg schwer sein und Preisgelder von 20000 $ sind ausgeschrieben. Die Rückkehr der Angler in den Hafen ist immer ein Ereignis, wenn der Fang stolz präsentiert und der grösste Fisch gewogen wird. Jeder Bootskapitän hat sicherlich den Ehrgeiz, seinen Gästen die besten Fischgründe zu präsentieren. Zufriedene Gäste kommen wieder. Da die Saison in Alaska auf eine kurze Zeit im Jahr beschränkt ist, sind die Preise dementsprechend happig. Übrigens, auch hier gibt es Fangbegrenzungen, pro Person nicht mehr als 2 Heilbutte. Die Bestimmungen werden streng kontrolliert und auch eingehalten.
Am nächsten Morgen sind wir denn nach Whittier weitergereist. Dies ist ein Ort am Prince William Sound, der bis zu Jahr 2000 nur mit dem Schiff erreicht werden konnte. Nun ist er durch einen Tunnel erschlossen, der gemeinsam für Schienen- und Strassenverkehr wechselweise genutzt und im Einbahnverkehr betrieben wird. Die Fahrt durch den Tunnel (natürlich kostenpflichtig) ist allein ein Abenteuer. Der Tunnel ist eng und auf den Schienen zu fahren erfordert höchste Konzentration. Ich war froh, den Tunnel heil zu verlassen. Eine Besonderheit von Whittier ist, dass alle Einwohner in einem einzigen Hochhaus wohnen, das auch Spital, Einkaufscenter und Schule beinhaltet.
Von Whittier sind wir dann mit der Fähre nach Valdez gereist. Das Wetter war uns hold, die Sonne schien und die Aussichten im Prince Willian Sound waren im wahrsten Sinne atemberaubend. Nach 5 stündiger Fahrt haben wir das Etappenziel erreicht. Valdez ist Ölhafen und Endpunkt der Transalaskapipeline. Erinnert wird man noch an das Unglück vor 20 Jahren durch die Haverie der Exon Valdez, die ein betrunkener Kapitän auf einen (der vielen) Felsen setzte und den Lebensraum für Mensch und Tier durch das auslaufende Öl auf viele Jahre zerstörte. Heute merkt man nichts mehr davon, geändert haben sich jedoch die Sicherheitsvorschriften. Nur doppelwandige Tanker dürfen hier fahren, immer von 2 Schleppern begleitet und immer mit einem Lotsen an Bord. Übernachtet haben wir auf einem Campground direkt am Hafen mit kompletter Infrastruktur wie Dusche, WC, Wasser, Elektrizität und einer Dumpmöglichkeit auf jedem Stellplatz. Nicht ganz billig, aber die beste Infrastruktur auf unserer gesamten Reise.
Am nächsten Tag haben wir dann einen Bootsausflug in den Sound unternommen, um die Tierwelt zu betrachten und mit der Hoffnung, Wale zu sehen. Seelöwenkolonien von hunderten von Tieren konnten bewundert werden, Papageientaucher, wenn auch nur wenige waren zu sehen. Auf der Suche nach Walen war das Glück nicht auf unserer Seite. Ein Orka tauchte weit ab vom Schiff kurz auf und verschwand sofort wieder, nur wenige Bootsgäste haben dies überhaupt mitbekommen. Zu Abschluss dann eine Fahrt durch treibende Eisberge direkt an den Gletscher. Es wurde hier merklich kühler. Der Kapitän hatte „alle Hände voll zu tun“, um einen Weg durch das treibende Eis zu finden.
Abends um 9.30 erreichte das Schiff dann wieder den Hafen von Valdez. Hier wartete eine weitere Überraschung. Ein Seeotter hatte sich das Hafenbecken als Nachtquartier ausgesucht. Er schläft schwimmend auf dem Rücken, die „Hände“ (der Pfoten) auf dem Bauch gefaltet. Man meint, er sei tot, aber plötzlich dreht er sich um die eigene Achse und schläft weiter.
Wir verlassen Valdez und nach einer Stunde Fahrzeit suchen wir einen geeigneten Rastplatz, braten noch ein Steak und sinken müde ins Bett.
Am nächsten Morgen geht es weiter auf dem Richardson Highway Richtung Glennallen. In Copper Center am Klutina River suchen wir einen Platz auf einem Campground, direkt am Fluss. Einige Angler versuchen hier ihr Glück, aber die Erfolge sind mässig. Auch wir hingen den ganzen Tag nur faul herum Am späten Nachmittag packt es mich aber doch, ich wollte mein Glück versuchen. Heiner ist dagegen weiterhin faul vor dem Camper geblieben. Er hat ein wenig gelesen und sein Nachmittagsbier genossen. Eine Stunde später kam ich zum Camper zurück, um Heiner zu holen. Ich hatte einen guten Platz gefunden und mein Kontingent an Lachsen bereits aufgebraucht. So kam Heiner mit und fing am selben Platz nach kurzer Zeit seine (für diesmal) letzten Lachs in Alaska.
Am nächsten Morgen ging es weiter. Am Amaturenbrett zeigt eine Lampe eine Störung am Motor an, obwohl der Motor einwandfrei läuft. Auf Nachfrage bei unserer Mietstation wird uns versichert, dass dies ohne Bedeutung für unsere Weiterfahrt ist. Wir beschliessen aber doch, auf dem ausgebauten Highway zu bleiben, da hier schneller Hilfe erwartet werden kann. Übrigens, am Ende der Reise ist auch die Störung verschwunden, Ursache unbekannt.
Unsere nächste Station ist Glennallen, allerdings merkt man kaum etwas, ein aus einigen Häusern und Grundstücken bestehenden Ort ohne nennenswerte Besonderheiten. Wir reisen weiter auf dem Glenn Highway ins Gebiet der Tausend Seen beim Lake Louise. Viele idyllische kleine Moorseen liegen an unserer Strecke. An einem dieser Seen übernachten wir und geniessen die Natur pur. Allerdings erweisen sich die kleinen Seen als nicht so fischreich wie erhofft. Dafür hat es aber um so mehr Mücken, denen wir kaum Meister wurden. Am nächsten Tag fahren wir zu einem anderen, etwas grösseren See, der abseits der Strasse liegt. Hier ist uns Petrus doch noch hold, insgesamt 5 Äschen können wir überlisten und kommen so doch noch zu einer aussergewöhnlichen Fischmahlzeit.
Die grossen Seen sollen zwar fischreich sein, aber ohne Boot ist hier wenig auszurichten. So geniessen wir das wunderschöne Wetter, die Natur und die grossen amerikanischen Steaks, die wir im Camper zubereiten.
Weiter geht die Reise auf dem Highway Richtung Palmer. Vielfältig und abwechslungsreich die Landschaft. Hohe Berge Richtung Meer, Flüsse, Gletscher, die Weite von Alaska. Ein Zwischenstopp am Matanuska Gletscher, rund 50 Meilen vor Palmer, der einmal bis Palmer gereicht hat. Auch hier merkt man die Klimaerwärmung massiv.
In Palmer müssen wir unsere Vorräte auffrischen, Wasser und Gas sind im „roten“ Bereich, auch der Abwassertank ist fast randvoll. Am frühen Nachmittag ist alles erledigt. Obwohl in Amerika „Independance day“ ist und ganz Anchorage anscheinend mit ihren Autos, Campern und Wohnwagen in der Umgebung verbringt, sind alle Geschäfte offen – in der Schweiz wäre dies undenkbar.
Wir beschliessen, die verbleibenden 2 Tage noch in freier Natur zu verbringen, bevor wir in die Schweiz zurückreisen.
Wir fahren also Richtung Denali Nationalpark. Aber wie gesagt, ganz Alaska scheint auf den Beinen oder besser gesagt mit den fahrbaren Untersatz unterwegs. Gewöhnungsbedürftig, plötzlich 2-spurig im Verkehr zu stecken, wenn man vor einem Tag noch alle halbe Stunde einem Fahrzeug begegnet ist.
Am späten Nachmittag hinter dem Städtchen Willow suchen wir einen Platz zum Übernachten. Eine Kiesgrube am Highway verspricht etwas Ruhe. Was wir nicht wissen, wären wir nur 3 Meilen weitergefahren, hätten wir einen wunderschönen Rastplatz direkt am See vorgefunden. Diesen haben wir dann aber auf dem Rückweg aufgesucht.
Am nächsten Morgen sind wir dann weiter nach Talkeetna gefahren. Dies Städtchen ist eine Eisenbahnstation, die Strecke geht bis Fairbanks. Was uns fehlte war mal wieder eine heisse Dusche, zumal die Tagestemperaturen in den letzten Tagen bei rund 30 Grad im Schatten lagen. Auch dieses Städtchen lebt vom Fremdenverkehr und Ausflugsverkehr. In einer Wäscherei sind wir dann fündig geworden und fühlten uns danach wie neugeboren. Wir haben uns dann auf den Rückweg gemacht und beschlossen, an „unserem“ See zu übernachten. Der See ist relativ flach und die Wassertemperatur lag über 20 Grad. So konnten wir auch hier nochmals schwimmen und uns abkühlen.
Am Morgen dann Rückreise nach Anchorage, mit 800000 Einwohnern die grösste Stadt in Alaska. Suche der Räucherei, was nach einigen Umwegen doch noch gelang. Hier erhält man die verarbeiteten Fische und verpackt sie in entsprechende Transportkisten für den Sammeltransport in die Schweiz. Wir können bei der Räucherei parkieren und im Camper übernachten. Packen unserer Koffer, Reinigung des Campers von innen und aussen ist noch am Abend angesagt. Am nächsten Morgen Abgabe des Campers, Fahrt mit dem Taxi zum Flughafen, Einchecken des Gepäckes und um die Mittagszeit ein fast pünktlicher Abflug. Landung um 10.00 Uhr am anderen Morgen (Zeitverschiebung) in Frankfurt, Weiterflug nach Zürich, wo wir bereits von unseren Familien erwartet und abgeholt werden.
Eine unvergessliche Reise in einem faszinierenden Land. Alaska, wir kommen wieder.















































